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DJK Saarlouis-Roden
Abteilung Tischtennis
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VDTT Symposium, Juli 2003 in GRENZAU

Wir veröffentlichen einen Beitrag von Rudi Endres, der auch diesmal wieder auf dem Symposium des Vereins deutscher Tischtennistrainer war. Als ein Schwerpunkt hat Helmut Hampel, Trainer von Timo Boll, dessen Heranführung an die Weltklasse dargelegt.
Andere, ähnlich gehaltvolle Artikel veröffentlichen wir natürlich auch in Zukunft gerne auf unserer Homepage.

1. Grundsätzliche Überlegungen zum Thema Taktik

Jimmie Langham erläutert die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen und gibt taktische Hinweise zum Spiel gegen die verschiedenen Spielsysteme.

Beispiele:
VH orientiert nahe Halbdistanz (Kreanga): extrem außen anspielen
Distanz (Saive): weit außen anspielen und Tempowechsel
Beidseitiges Angriffspiel am Tisch (Boll): viel in die Mitte spielen
Moderne Abwehr (Joo): Tempowechsel und viel in die Mitte spielen
Zahlreiche Variationen werden ausführlich erörtert und praktisch ausprobiert.

2. Entwicklung von Schlagtechniken.

Helmut Hampel (Trainer des TTV Gönnern und Privattrainer von Timo Boll) beschreibt ausführlich den Werdegang von Timo Boll.
Hampel erläutert den Zeitaufwand im Hochleistungssport am Beispiel Timo Boll. Zeitaufwand vom 8 – 13. Lebensjahr:
15 Stunden TT die Woche + 6 St. Konditionstraining wöchentlich + 40 Minuten Aufschlagtraining täglich.
Ab dem 13. Lebensjahr trainierte er drei Tage wöchentlich unter Profibedingungen und wurde für diese Zeit von der Schule freigestellt. Die Schule legte alle „weniger wichtigen Fächer" auf die Tage, an denen er nicht anwesend sein konnte. An den übrigen Tagen wurde das bisherige Trainingsprogramm beibehalten.
Hinzu kamen 45 Tage Lehrgang im Jahr. Ab dem 13. Lebensjahr trainierte er fast nur mit Bundesligaprofis. Nach der Mittleren Reife verließ Boll die Schule und trainierte 2x täglich.

Hampel erläutert die Kernpunkte seines Tischtennistrainings.

a. Der Schlag – Druckpunkt

Boll bevorzugt auf der RH den RH – Griff (Daumen drückt auf das Schlägerblatt) und auf der VH den VH – Griff (Zeigefinger drückt auf das Schlägerblatt, während der Daumen keinen Druck ausübt oder sogar das Schlägerblatt nicht berührt). Boll greift nicht immer völlig um, sondern verlagert nur den Druckpunkt. Vorteile: besseres Ballgefühl, freies Handgelenk, höhere Beschleunigung.

b. Unterarm – Handgelenk Einsatz

Der Topspin wird nur mit kurzen Unterarm und Handgelenkbewegungen gespielt. Es erfolgt kein weites Ausholen nach hinten. Diese Technik ist nur mit frisch geklebten Belägen, oder auch mit Belägen mit eingebautem Frischklebeeffekt möglich. Bei letzteren fehlt der ausgeprägte Sound und damit die deutliche Rückmeldung. Hampel fordert die Einführung der kurzen Bewegungen bereits im Kindesalter.

c. Schlagausgangspunkt vor dem Körper

Der Ausgangspunkt für jeden Schlag ist vor dem Brustbein. Der Wechsel zwischen zwei Schlägen erfolgt ebenfalls immer „über oben Mitte und nie unten im Beinbereich". Nur so ist der Zeitdruck nah am Tisch zu bewältigen und die Vorspannung für die einzelnen Schläge optimal.
Beim RH – Spinkonter oder RH - Konter befindet sich der Ellbogen in der Ausholphase vor dem Handgelenk (wegen der Vorspannung). Parallel stehende Spieler bewegen oft nur das Handgelenk. Sie sollten die Schulter etwas in Ballrichtung drehen.

d. Balance beim Balltreffpunkt

Die Beine sollten so weit auseinander stehen, dass die Netzkante deutlich fixiert werden kann. Die in den Lehrbüchern geforderte Breite der Beinstellung ist zu gering. Aufgrund der tieferen Körperhaltung und dadurch sehr breiten Beinstellung hat man nicht nur eine größere Stabilität, sondern sieht den Ball von vorne und nicht von oben. Dies ist wichtig, um die Rotation richtig einzuschätzen.
Kreuzschritte sind für das Spiel am Tisch und in der nahen Halbdistanz verboten. Es sind nur Sidesteps erlaubt. Auch dies entspricht nicht unbedingt der Lehrbuchtechnik.

d. Spinkonter/ - block anstelle Konter/Block

Das leichte Überziehen der Bälle zwingt den Gegner weiter zurück und setzt ihn unter Zeitdruck. Eingestreute „normale" Konter/Blockbälle sind eine taktische Variante. Alle Angriffsbälle (auch gegen Schnittabwehr) sollten über Tischhöhe erfolgen und zwar etwas vor dem höchsten Punkt (Boll), spätestens aber auf dem höchsten Punkt (Waldner) der Ballflugbahn. Spinvariationen sind durch Änderung des Schlägerwinkels möglich.

e. Wechsel Aktiv – Passiv – Spiel

Ein perfekter Wechsel zwischen aktiven und passiven Bällen gelingt nur, wenn der Topspin kurz und schnell ausgeführt und nicht weit ausgeholt wird.

Alle Hinweise Hampels werden von Bundesligaprofi Nico Stehle und einem Jugendlichen demonstriert.

3. Wahrnehmung, Reaktion und Antizipation

Bernd Schiefler gibt einen ausführlichen Überblick über den sportwissenschaftlichen Kenntnisstand. Entscheidend für den TT- Spieler ist das Antizipieren des Balltreffpunkts. Die Beurteilung des Effets ist weniger wichtig. Daher hat eine überraschende Änderung der Ballplatzierung die größte Wirkung. Schiefler zeigt dies anhand eines Spiels zwischen Wosik und Waldner. Waldner änderte (nur in der Superzeitlupe klar erkennbar) in fast 40 Prozent der Ballwechsel noch kurz vor der Ballberührung die Richtung. Wosik tat dies fast nie. Waldner kam daher selbst mit einfachen Bällen oft zum direkten Punktgewinn oder in eine vorteilhafte Position.
Schiefler verlangt ein häufigeres Training gegen Material (Anti, Lange Noppen..). Auch sollten Spielsituationen geübt werden, die den Spieler unter Zeitdruck zu vorgegebenen Reaktionen zwingen. Das „Gaukeln" sollte nicht verboten, sondern gezielt eingesetzt werden.
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